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E-Gitarren im VANDAL

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Nach meiner Erfahrung lohnt es sich, die Elektrik der Gitarren zu prüfen und ggf. zu erneuern. Dies betrifft im Wesentlichen die Potis aber auch die Kondensatoren. Ein Austausch kann hier mehr Transparenz und Höhen-Brillanz bewirken. Bei dieser Gelegenheit bieten sich auch Pull-and-Push-Potis, Drehschalter sowie No-Load-Potis an, um damit zusätzliche Schaltungsfunktionen für die Pickups bzw. mehr Biss in den Höhen zu realisieren.

Ich habe meine Strat, die Tele sowie die SG in diesem Sinne "aufgerüstet" (für Puritisten: ohne das Erscheinungsbild zu ändern). Bei Interesse könnten wir hier im Forum Erfahrungen und Tipps austauschen.

Gruß, Peter

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Die Fender Telecaster

Kurzgeschichte:
Bei den ersten E-Gitarren handelte es sich um akustische Gitarren, die mit elektrischen Pickups versehen wurden und damit bei höheren Lautstärken durch das Mitschwingen des (hohlen) Korpus zu Rückkopplungen neigten. Schon vor dem zweiten Weltkrieg wurden vereinzelt Exemplare mit Massivholz entwickelt, aber erst 1950 stellte Leo Fender die erste Massivkorpus-E-Gitarre in Massenproduktion vor.

Ihre Korpusform war von der Akustikgitarre abgeleitet, lediglich am Hals erfolgte ein Ausschnitt (Cutaway) zur besseren Bespielbarkeit in den höheren Lagen. Der Hals war nicht geleimt sondern geschraubt und auch das spartanisch anmutende Erscheinungsbild resultierte aus möglichst kostengünstiger Serienfertigung. Mitte 1950 erschien diese Gitarre unter dem Namen Esquire“, ausgestattet mit nur einem Tonabnehmer am Steg (Bridge-PU) und einem Hals noch ohne Metallspannstab. Ende 1950 wurde eine Variante mit zweitem Neck-PU sowie mit Halsstab als Broadcaster“ vorgestellt. Aus rechtlichen Gründen musste aber Anfang 51 auf diesen Namen verzichtet werden. Mitte 51 wurde dann vom Rundfunk auf die Anspielung Fernsehen gewechselt und der Name Telecaster“ kreiert.

Mit der ab 1952 beginnenden Entwicklung einer neuen vielseitigeren und vom Design futuristischeren Gitarre – der Stratocaster“ – glaubte Fender, die Telecaster ersetzen zu können. Aber vielleicht auch aufgrund ihrer eher einfachen aber prägnanten Eigenschaften fand diese Gitarre unter Musikern so viele Liebhaber, dass sie sich bis heute neben der Stratocaster und der Gibson Les Paul zu den beliebtesten Klassikern etabliert hat.

Mit ihrem hellen, fast dünnen Klang war diese Gitarre zunächst für die Countrymusik prädestiniert. Doch mit der später einsetzenden rasanten Entwicklung von Effektgeräten (Tretminen“) sowie der Erweiterung der Verstärkerregelungen (Gain, Master u.ä.) für Overdrive“ entdeckten auch Rockmusiker die Eignung dieser Gitarre für verzerrte Sounds durch den teils scharfen Klang.

Im Laufe der Zeit wurden von der Telecaster zahlreiche Sonderserien bzw. Varianten (teils mit Humbucker-PU, Halbkorpus, mehr Schaltungsmöglichkeiten usw.) produziert, die sich aber alle im Vergleich zum Urtyp nicht etablieren konnten. Auch heute noch dominiert die klassische Ausführung mit blond“ lackiertem Korpus und weißem Pickguard oder mit natur“ lackiertem Eschekorpus und schwarzem Pickguard sowie Hals entweder in Maple-Neck oder mit Palisanderholz-Griffbrett.

Schaltungen:
Bis 1967 wurden für Volume und Tone logarithmische Potis mit 250 kOhm sowie ein Kondensator mit 47nF für die Klangregelung verwendet. Der Dreiwegschalter war nicht mit der heute allgemein üblichen Pickup-Schaltung belegt, da Leo Fender die Meinung vertrat, zusammen geschaltete Pickups würden einen unsauberen Sound liefern. Der 3-Way-Switch hatte somit folgende Funktionen:
- Vorn = Neck-PU mit parallelem 100nF Kondensator zwischen Schalter und Poti für pre-set bassy sound“
- Mitte = Neck-PU
- Hinten = Bridge-PU
Diese Schaltung werden heute nur noch absolute Puritisten verwenden.

Ab 1967 (inzwischen war Leo Fender nach dem Verkauf an CBS aus dem Unternehmen ausgeschieden) wurde für Volume ein 1 MegOhm (log) mit Volumekondensator 1nF und für Tone wie bisher ein 250 kOhm (log) mit einem 47nF Kondensator verwendet. Der 3-Way-Switch hatte nun folgende Funktionen:
- Vorn = Neck-PU
- Mitte = Neck- und Bridge-PU parallel geschaltet
- Hinten = Bridge-PU

Eine Sonderform ist die Ausführung mit Texas Special Tele Pickups. In der Schalter-Mittelstellung werden dabei die Pickups nicht parallel sondern in Reihe geschaltet. Dazu besitzt der Neck-PU ein zusätzliches Anschlusskabel. Aber auch die "normalen“ Tele-Pickups können nachträglich für diese Schaltungsvariante umgerüstet werden. Es gibt auch einen optional erhältlichen 4-Way-Switch, der in den beiden Mittenstellungen sowohl die Parallel- als auch die Reihenschaltung ermöglicht. Erstens ist aber ein 4-Wege-Schalter (für schnelles präzises Schalten) eine "Krücke“ und zweitens erreicht die Reihenschaltung (von Single-Coil-Pickups) nicht den Sound eines Humbuckers.

Interessanter ist daher der Austausch des (Single-Coil) Neck-PU durch einen Humbucker. Dazu muss die Pickup-Fräsung im Tele-Korpus erweitert und das Pickguard (entsprechende Modelle werden angeboten) ausgetauscht werden. Der Tele-Bridge-Pickup harmoniert gut mit einem Humbucker in Neck-Position und wenn für diesen noch eine Split-Schaltung zur Verfügung steht, resultieren daraus weitere Klangmöglichkeiten. Allerdings werden damit Design und Charakter der Telecaster verändert, aber gerade die "Einfachheit“ ist die Stärke der klassischen Tele. Und für Klangvielfalt bieten sich eher Gitarren wie Stratocaster und Les Paul bzw. SG an.

Schaltungsmodifizierung der Telecaster:
Dazu müssen lediglich die beiden Kreuzschlitzschrauben der Kontrollplatte entfernt werden. Danach lässt sich diese verchromte Metallplatte nach oben herausnehmen und die gesamte Elektrik der Gitarre ist für Veränderungsarbeiten erreichbar.

Volumepoti durch Push/ Pull-Poti 500 kOhm-log ersetzen. Verdrahtung vom Neck-PU am 3-Way-Switch sowie Masseverbindung lösen und am Umschalter des Push/ Pull-Poti anlöten mit Umkehrmöglichkeit der Phase (+ / - vertauschen) und von dort Verbindung zum Schalter herstellen. Tonepoti durch Fender No-Load-Poti 250 kOhm, log mit 22nF Kondensator austauschen.

Beim Ziehen des Volume-Drehknopfes sind nun in der 3-Way-Switch-Mittelposition die beiden Pickups parallel in Phase-Out geschaltet. Damit werden tiefere Frequenzen teilweise ausgelöscht mit dem Resultat eines sehr näselnden“ Sounds. Das klingt nicht immer gut, kann jedoch in Verbindung mit anderen Maßnahmen (Effekte, Amp-Einstellungen u.ä.) aber auch mit dem No-Load-Tone-Poti an der Gitarre interessante etwas eigenwillige Sounds liefern. Das No-Load-Poti rastet“ in der Max.-Stellung ein, dabei wird die Leiterbahn im Poti unterbrochen und durch diese Direktschaltung vom Pickup werden Höhenverluste im Poti vermieden. Damit eignet sich dieses Poti sehr gut, einerseits einen noch schärferen typischen Telesound und andererseits durch leichte Reduzierung aus der Max.-Rast-Position einen immer noch höhenbetonten aber etwas weicheren Sound einstellen zu können.

Die beschriebene Schaltungsmodifizierung dürfte für alle diejenigen, die das Design ihrer Tele nicht verändern (verunstalten) wollen, ideal sein. Da heutzutage die meisten Gitarristen Volume-Einstellungen kaum noch an der Gitarre sondern per Pedal und oder am Amp (Regler bzw. Inputchannel) vornehmen, ist auch der Verzicht auf den Volumekondensator sinnvoll. Die Arbeit mit dem VANDAL eröffnet hier noch mehr Möglichkeiten. Für diejenigen, die (durchaus interessante) Einstellungen noch mit dem Volumeregler an der Gitarre vornehmen wollen, ist zu empfehlen, durch Ausprobieren unterschiedlicher Potis (Ohm-Werte, logarithmisch oder linear) sowie von Bypass-Elementen am Poti (Kondensator- und Widerstandswerte) ihre individuell optimale Konfiguration zu erzielen. Über die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Kombinationen finden sich im Internet hilfreiche Informationen.

Zum Schluss, dabei wird die optimale Einstellung von Halsspannung, Saitenhöhe, Oktavenreinheit usw. vorausgesetzt, noch Empfehlungen für die Pickup-Höhe, denn dieser Aspekt wird von vielen Gitarristen unterschätzt bzw. gar nicht berücksichtigt. Auch dazu finden sich im Internet zahlreiche Anleitungen bis hin zu Tabellen mit Zehntel-Millimeter genauen Abständen zwischen Pickup-Pol und dazu gehöriger Saite. Da aber auch hier eine Vielzahl von unterschiedlichen Bedingungen mit jeweiligen Vor- und Nachteilen zusammenwirken, ist die Feinjustierung nach Gehör unerlässlich.

Grundsätze:
Der Abstand ist bei Pickups mit Polschrauben (nahezu alle Humbucker, überwiegend P90, äußerst selten Single-Coil) unproblematischer als Pickups mit Polmagneten (fast alle Single-Coil), da sich deren Magnetfeld näher an der Saite befindet und somit deren Schwingungsverhalten eher auch magnetisch beeinflusst (gestört) werden kann.

Je dichter die Pickup-Position am Steg desto geringer kann der Abstand sein, da die Amplitude der schwingenden Saite kleiner wird. Ebenso gilt, je höher der Saitenton desto kleiner kann der Abstand sein, d.h. die dünne“ E-Saite besitzt eine kleinere Amplitude als die dicke“.

Je geringer der Abstand zur Saite desto kräftiger wird zwar das Output-Signal, der Bassanteil steigt an, dann aber wird der Sound auch undifferenziert matschig“.

Da das Schwingungsverhalten aber auch mehr oder weniger von weiteren Faktoren (wie Saitentyp, Dicke, Korpusmaterial, Saitenführung sowie Halterung am Korpus usw.) beeinflusst wird und schließlich der optimale“ Saitenklang auch dem subjektiven Hörempfinden unterliegt, können angebene Abstandswerte nur zur groben Voreinstellung dienen. Beim finalen Feinschliff sollte man das eigene Ohr entscheiden lassen.

Vorgehensweise bei der Telecaster:
Die Höhenverstellung des Bridge-PU ist einfach. Allerdings besitzt dieser PU im Gegensatz zu fast allen anderen Pickups drei statt zwei Verstellschrauben. Rechtsdrehen dieser Schrauben verringert den Abstand zur Saite, Linksdrehen vergrößert ihn.

Auf den ersten Blick lässt sich der Neck-PU nicht verstellen, man findet“ keine Schrauben. Dazu müssen zunächst alle Schrauben des Pickguards entfernt werden. Dann wird das Pickguard vorsichtig angehoben (da die Saiten natürlich weder entfernt noch entspannt werden) und unter den Saiten weggezogen. Nun erkennt man rechts und links am Pickup je eine kleine Schraube. Im Gegensatz zum Bridge-PU sind das keine Gewindeschrauben, die an der Bodenplatte des PU befestigt sind, sondern Holzschrauben, die am Korpus befestigt sind. Somit bewirkt Rechtsdrehen eine Vergrößerung und Linksdrehen eine Verkleinerung des Abstands zur Saite.

Speziell für den Neck-PU sollte man einen relativ großen Abstand zur Saite einstellen. Dies gilt umso mehr für den Betrieb in einer virtuellen Amp-/ Cabsimulation. Paradoxerweise scheint hier der PU, um nicht matschig“ zu klingen, einen größeren Abstand zu erfordern als beim Anschluss an einen realen Amp. Falls sich der Pickup nicht weit genug nach unten schrauben lässt, können entweder die Schrauben gegen ca. 5mm kürzere (mit gleichem Durchmesser) ersetzt werden oder die Bohrung im Korpus muss vertieft werden, was aber sehr sorgfältiges Arbeiten erfordert.

Fazit:
Eine so modifizierte und justierte Telecaster erweitert das Klangspektrum der Gitarre und bleibt dennoch übersichtlich in den dafür erforderlichen Einstellungen. Dabei können die über Schalter (3-Way-Switch sowie Push/ Pull) vier möglichen Pickupmodi mit Tone aber auch Volume noch variiert werden.

Für Tone ergeben sich vier prägnante Einstellungen.
- Max.“-Position = scharfer, fast schon aggressiver Klang
- Fast-Max.“-Position (nur leicht aus der eingerasteten“ Max. weggedreht) = immer noch mit Biss aber etwas weniger Spitzen
- 1/2“-Position = samtig mit dezentem Höhenanteil
- Min.“-Position = dumpf aber nicht matschig“

Durch Verwenden eines logarithmischen 500 kOhm Potis mit Verzicht auf einen Volumekondensator ergeben sich nur (hier als Vorteil eingestuft) zwei prägnante Einstellungen.
- Max.“-Position = voller Gitarrenoutput
- Fast-Max.“-Position (nur leicht aus der Max. weggedreht) = etwas weniger Gain für sehr cleanen Sound mit dezenter Höhenreduktion

Damit ist die Gitarre optimal für die Arbeit“ im VANDAL präpariert“. Alle Pickup-Modi können in den Presets klanglich“ bereits genutzt werden, was in Amp-Simulationen keine Selbstverständlichkeit ist. Neben den schier unendlichen Soundvariationen im VANDAL sollen hier noch zwei einfache aber effektive Möglichkeiten erwähnt werden. Treble Booster“ und/ oder Tube Compressor“ mit nur sehr dezenten Regelungen aus der (neutralen) Mittelpositionen unterstützen die Einstellmöglichkeiten an der Telecaster. So wird z.B. der dumpfe Sound bei Min.“-Position des Tone-Potis durch den Treble Booster“ wieder etwas transparenter.

Telecaster und VANDAL, meiner Meinung nach nicht nur im Studio sondern auch Live auf der Bühne eine gute Wahl.

Gruß, Peter

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Die Fender Stratocaster

Kurzgeschichte:

Nach dem erfolgreichen Start 1950 der „Telecaster“ sowie 1951 des „Precision Bass“ als erste E-Gitarre bzw. E-Bass mit Massivkorpus in Massenproduktion, begann Leo Fender 1952 mit der Entwicklung einer anspruchvolleren E-Gitarre mit der er die Telecaster ersetzen wollte, da sowohl Musiker als auch Händler den Wunsch nach einer neuen Gitarre mit mehr Klangmöglichkeiten, einem Vibrato sowie bequemer zu bespielen geäußert hatten.

Bei der Korpusform für diese „Neue“ orientierte man sich am Precision Bass mit zwei asymetrischen Cutaways rechts und links vom Hals. Der Korpus war dünner als der doch recht klotzige der Telecaster und da deren eckige Kanten insbesondere bei längerem Spiel als lästig empfunden wurden, erhielt der „Nachfolger“ zwei „Body-Shapings“: eine Aussparung für den Rippenbogen („Bauchfräsung“) sowie eine Abflachung für den rechten Unterarm. Drei Pickups, zwei davon mit jeweils eigenem Tone-Regler, boten mehr Klangbandbreite. Das von Leo Fender entwickelte Vibratosystem bewährte sich jedoch bei den 1953 vorgestellten Prototypen nicht und machte eine Neukonstruktion erforderlich, so dass die Gitarre erst 1954 in Serie produziert werden konnte.

Diese bei ihrem Erscheinen als revolutionär und futuristisch eingestufte Gitarre passte in die damalige US-Zeit mit dem Beginn modernen Produktdesigns und dem Aufbruch in das All und dementsprechend wurde für die „Neue“ von „Stratosphäre“ der Name „Stratocaster“ abgeleitet. Für den Korpus, anfangs überwiegend noch in recht klassischem „Shaded Sunburst“ produziert, wurden basierend auf DuPont Autolacken zahlreiche teils „knallige“ Farbvarianten angeboten und damit auch ein Richtung weisendes Novum im E-Gitarrenbau eingeführt.

Klanglich liefert die „Strat“ einen gläsernen, transparenten nicht ganz so scharfen Sound wie die „Tele“ mit mehr Variationsmöglichkeiten sowie stärkerer Betonung der Mitten. In den 50ern etablierte sich die Gitarre neben der Countrymusik insbesondere im Surf- and Rock´n Roll-Bereich, konnte aber entgegen der Erwartung von Fender die Telecaster nicht komplett verdrängen. Mitte der 60er gingen die Verkaufszahlen zurück, da im aufstrebenden Bluesrock die Gibson Les Paul mit ihrem warmen, druckvollen, sustainhaltigeren Sound der Humbucker-PUs zur „Kult-Gitarre“ aufstieg. Aber bereits Ende der 60er begann maßgeblich durch Jimi Hendrix bedingt, über Effektgeräte mit einer Strat zu spielen, die Renaissance der Stratocaster. Nach dem Aufstieg ab den 70ern in der Rockmusik etablierte sich diese Gitarre nahezu in allen Musikrichtungen und stieg zur beliebtesten E-Gitarre weltweit auf.

Über einen sehr langen Zeitraum wurde die Strat zwar in diversen Designversionen angeboten, nicht aber in vom grundsätzlichen Aufbau abweichenden Ausführungen. Vielmehr versuchte Fender, von der Stratocaster inspirierte neue Gitarrenmodelle unter eigenständigen Namen am Markt zu platzieren. Die 1956 vorgestellte „Duo Sonic“ sowie deren abgemagerte Version als „Musicmaster“ (nur ein Pickup und ohne Vibrato) waren als Einsteiger Modelle insbesondere für Schüler gedacht. 1958 erschien die „Jazzmaster“, geplant als Topmodell im hochwertigeren Finish, um mit den exklusiveren Gitarren der Firma Gibson konkurrieren zu können. 1962 folgte die „Jaguar“, die wiederum die Jazzmaster ersetzen sollte. 1964 kam dann die „Mustang“ als verbesserte Version der Duo Sonic, die mittlerweile auch unter dem Namen Bronco angeboten wurde.

Aber alle diese neuen Versionen konnten sich am Markt nicht durchsetzen, ihre Produktion wurde teilweise schon nach wenigen Jahren eingestellt und erst nach und nach wurden Jazzmaster, Jaguar, Mustang und Bronco (als Bass) wieder in das derzeit aktuelle Angebot aufgenommen, ohne die Verkaufszahlen der Strat auch nur annähernd zu erreichen.

Schon sehr frühzeitig begannen Gitarristen, ihre Strats zu verändern bzw. nach ihren Wünschen verändern zu lassen, vorrangig durch Verwenden anderer Pickup-Typen oder Kombinationen sowie angepasster Schaltungen. Und bald fingen andere Hersteller an, die Stratocaster zu kopieren. Zunächst meist noch in schlechterer Qualität, dann ebenbürtig und schließlich in hochwertigen stark modifizierten Ausführungen, auch als „Superstrats“ bezeichnet. Erst 1998 reagierte die Firma Fender auf diese Entwicklung mit der Präsentation der „Showmaster“. Aber auch heute noch dominiert die klassische Ausführung der Strat mit drei Single-Coil-Pickups die Musikszene.

Schaltungen:

Die klassische Schaltung seit Einführung der Stratocaster besteht aus einem Volume-Poti für Master sowie je einem Tone-Poti für Neck- und Middle-PU, womit der Bridge-PU im Tone nicht regelbar ist. Alle drei Potis sind logarithmisch mit 250 kOhm und für die Klangregelung wird je ein Kondensator mit 47nF verwendet. Zunächst wurde nur ein Dreiwegschalter mit folgenden Funktionen angeboten:

- Vorn = Neck-PU

- Mitte = Middle-PU

- Hinten = Bridge-PU

Schon frühzeitig „entdeckten“ Gitarristen bei einer zufälligen „Fehlschaltung“ aus der Mitte-Position die Möglichkeit, den Middle-PU entweder mit Neck- oder dem Bridge-PU parallel zu betreiben, und fixierten diese „Fehlstellung“ z.B. durch ein kleines Stück Papier o.ä. Leo Fender (der Radiomechaniker und kein Gitarrist war) lehnte das Zusammenschalten von Pickups als unsauberen Sound ab. Und so wurde erst nach dem Verkauf der Firma an CBS ein 5-Way-Switch mit den nun folgenden Funktionen angeboten:

- Vorn = Neck-PU

- Zwischen Vorn und Mitte = Neck- und Middle-PU parallel

- Mitte = Middle-PU

- Zwischen Mitte und Hinten = Middle- und Bridge-PU parallel

- Hinten = Bridge-PU

Diese Schaltungsart ist im Wesentlichen auch heute noch aktuell. Einige der nach bekannten Gitarristen benannten Sondermodelle besitzen zwar auch Kombinationen von Single-Coil(s) mit Humbucker(n) sind aber alle mit einem Volume-Poti, zwei Tone-Potis sowie dem 5-Way-Switch ausgestattet. Lediglich die „Jim Root Stratocaster“ besitzt für die aktiven EMG-Pickups nur den Schalter und das Volume-Poti unter Verzicht auf die Tone-Potis.

Im Laufe der Jahre wurde auch der Klang der Single-Coils u.a. durch andere Magneten bzw. veränderte Anzahl der Spulenwicklungen modifiziert. Inzwischen bietet auch die Firma Fender verschiedene Pickup-Versionen (z.B. Vintage) an. Daneben haben sich „Edelschmieden“ wie DeMarzio, Seymour Duncan, Häussel u.a. auf die Produktion von speziellen Pickups spezialisiert. Auf die daraus resultierenden nahezu unendlichen Soundmöglichkeiten kann im Rahmen dieses Beitrags nicht eingegangen werden.

Schaltungsmodifizierung der Stratocaster:

Im Gegensatz zu nur wenigen (meist vier bis fünf) möglichen Pickup-Schaltungen einer bereits modifizierten Telecaster ergeben sich für die im Folgendem beschriebene Modifizierung einer Strat elf bis siebzehn mehr oder minder sinnvoll denkbare Schaltungen für die PUs (bezogen auf die Bestückung mit drei Single-Coils). Im Gegensatz zur Tele ist der Arbeitsaufwand dafür aber wesentlich aufwendiger und unter Gitarristen bleibt strittig, ob eine solche Vielfalt überhaupt erstrebenswert ist. Nach dem Entfernen der Saiten sowie aller Schrauben des Pickguards (an dem die PUs, die Potis und der Schalter befestigt sind) kann dieses angehoben und nach dem Ablöten der beiden Kabelverbindungen zur Anschlussbuchse ganz herausgenommen werden. Erst jetzt ist die gesamte Elektrik der Gitarre für Veränderungsarbeiten erreichbar.

Da die Ausstattung mit zwei Tone-Potis nicht mehr zeitgemäß erscheint - es gibt bereits Gitarren, die ganz auf Tone-Regler verzichten – ist ein Tone-Poti als Master geeigneter und ermöglicht damit auch für den Bridge-PU die Tone-Regelung. Somit ergibt sich die Möglichkeit, entweder das überflüssige Tone-Poti durch ein Volume-Poti oder durch einen Drehschalter auszutauschen ohne damit das Design der Strat zu ändern. Mit dieser Maßnahme kann auch wieder der klassische Dreiwegschalter verwendet werden, denn zumindest einige Gitarristen empfinden den 5-Way-Switch für schnelles präzises Umschalten bzw. seiner Anfälligkeit auf unbeabsichtigtes Schalten insbesondere im Live-Einsatz nicht als optimal.

Zuerst wird das Volumepoti durch ein Push/ Pull-Poti mit 250 kOhm, log ersetzt und an dessen Umschalter der Neck-PU mit Umkehrmöglichkeit der Phase (+ / - vertauschen) angeschlossen. Das Tone-Poti wird durch ein Fender No-Load-Poti 250 kOhm, log mit 22nF Kondensator ausgetauscht und fungiert als letztes Glied in der Schaltungskette vor der Ausgangsbuchse als Master-Tone.

Für die einfachere Variante wird das zweite Tone-Poti durch ein Push/ Pull-Poti mit 500 kOhm, log ersetzt, an dessen Umschalter wird der Middle-PU zur Phasenumkehr angeschlossen und das Poti dient als Volume für den Middle-PU. Am 3-Way-Switch werden nur noch Neck-PU (hinter der Phasenumkehrschaltung) sowie Bridge-PU angeschlossen, dahinter folgt das erste Volume-Poti zur Regelung von Neck- und/ oder Bridge-PU. Daraus resultieren folgende Schaltungsvarianten bei 1.Volume = Max. und 2.Volume = Min.:

- Vorn = Neck-PU

- Mitte = Neck- und Bridge-PU, parallel

- Hinten = Bridge-PU

In jeder Schaltposition kann nun durch Drehen des 2.Volume nach Max. der Middle-PU parallel dazu geregelt werden. Wird dann 1.Volume nach Min. gedreht, ist nur der Middle-PU aktiv. In allen Parallelbetriebsarten kann durch Ziehen (Pull) eines oder beider Volume-Poti-Knöpfe in Phase-Out geschaltet werden, womit tiefere Frequenzen teilweise ausgelöscht werden mit daraus resultierendem sehr „näselnden“ Sound. Das klingt nicht immer gut, kann jedoch in Verbindung mit anderen Maßnahmen (Effekte, Amp-Einstellungen u.ä.) aber auch mit dem No-Load-Tone-Poti an der Gitarre interessante etwas eigenwillige Sounds liefern. Das No-Load-Poti „rastet“ in der Max.-Stellung ein, dabei wird die Leiterbahn im Poti unterbrochen und durch diese Direktschaltung vom Pickup werden Höhenverluste im Poti vermieden. Damit eignet sich dieses Poti sehr gut, den im Vergleich zur Tele mehr Mitten-betonten Pickups in der Max.-Position etwas mehr Schärfe zu verleihen.

Für die vielseitigere Variante wird als Ersatz für das zweite Tone-Poti ein Fünffach-Drehschalter mit vier Ebenen und Riffelachse verwendet. Dabei fungieren nun sowohl Tone- als auch Volume-Poti jeweils als Master. Damit steht nur ein (Volume-) Poti für Push/ Pull zur Verfügung. Empfehlenswert ist, für dessen Phase-Out-Umschaltung den Neck-PU zu verwenden. Die recht aufwendige Belegung des Drehschalters kann hier im Detail nicht beschrieben werden, bei Interesse kann jedoch der komplette detaillierte Schaltplan per Email zur Verfügung gestellt werden. Vom Prinzip fungiert der Drehschalter als Vorwahl für den 3-Way-Switch, für den nun nicht nur alle denkbaren PU-Parallelschaltungen sondern auch simulierter Humbucker-Betrieb durch Reihenschaltung des Middle-PU mit Neck- oder Bridge-PU ermöglicht werden. Daraus resultieren für die 3-Way-Switch-Position folgende Schaltungsvarianten (auch in anderer Reihenfolge belegbar):

Drehschalterposition 1

- Vorn = Neck- und Middle-PU in Reihe als simulierter Humbucker (HB)

- Mitte = Neck- und Middle-PU als HB, dazu parallel Bridge-PU als Single-Coil (SC)

- Hinten = Bridge-PU als SC

Drehschalterposition 2

- Vorn = Neck-PU als SC

- Mitte = Neck-PU als SC, dazu parallel Middle- und Bridge-PU als HB

- Hinten = Middle- und Bridge-PU als HB

Drehschalterposition 3

- Vorn = Neck- und Middle-PU parallel (jeweils als SC)

- Mitte = Neck-, Middle- und Bridge-PU parallel (alle als SC)

- Hinten = Middle- und Bridge-PU parallel (jeweils als SC)

Drehschalterposition 4

- Vorn = Neck-PU (als SC)

- Mitte = Neck- und Bridge-PU parallel (jeweils als SC)

- Hinten = Bridge-PU (als SC)

Drehschalterposition 5

- Vorn = Middle-PU (als SC)

- Mitte = Middle- und Bridge-PU parallel (jeweils als SC)

- Hinten = Bridge-PU (als SC)

Dabei können alle Schaltungen, bei denen der Neck-PU mit anderen PUs in Reihe oder parallel kombiniert ist, noch durch Phase-Out variiert werden.

Allerdings kann durch das Hintereinander-Schalten (in Reihe) von zwei Single-Coil-PUs nicht der authentische warme Klang eines Humbuckers erwartet werden. Der Sound wird zwar kräftiger aber mit mehr diffusem Bassanteil. Etwas ausgleichend wirkt hier eine leichte Zurücknahme des Volume-Potis aus der Max.-Position, wobei die Ergänzung dieses Potis mit einem Volumekondensator von 220pF sinnvoll erscheint, um den leichten Höhenverlust zu vermeiden.

Wie bereits im Beitrag zur Telecaster beschrieben, sollte zum Schluss noch die Feinjustierung der Pickups in der Höhe nach Gehör erfolgen. Alle drei PUs der Strat besitzen je zwei Verstellschrauben. Rechtsdrehen dieser Schrauben verringert den Abstand zur Saite, Linksdrehen vergrößert ihn. Für den Betrieb in einer virtuellen Amp-/ Cabsimulation sollte anders als beim Anschluss an einen realen Amp der Abstand des Middle-PUs zur Saite leicht mehr und der des Neck-PUs noch etwas größer ausfallen.

Fazit:

Eine so modifizierte und justierte Stratocaster erweitert das Klangspektrum der Gitarre erheblich und bleibt dabei dennoch einigermaßen übersichtlich in den dafür erforderlichen Einstellungen. Die Parallel-Schaltungen der Single-Coils liefern den leicht näselnden, glockigen Sound, wobei die Neck-/ Bridge- sowie Neck-/ Middle-/ Bridge- PU-Kombination (die beim 5-Way-Switch nicht möglich ist) durchaus eine Bereicherung darstellt.

Wie bereits erwähnt, sind die „Reihe-Schaltungen“ als simulierter einzelner Humbucker nicht ganz überzeugend. Wird aber Volume leicht auf ca. Position „9“ zurückgedreht und dann noch im VANDAL „Treble Booster“ und/ oder „Halvar“ genutzt, überzeugt die Strat mit einem warmen druckvollen Sound. Noch ausdrucksvoller ist, den simulierten „Humbucker“ im Parallel-Betrieb mit einem Single-Coil zu betreiben (3-Way-Switch auf Mitte), dabei kann der Volume-Regler auch in Max. (= „10“) bleiben und auf Stomps verzichtet werden. Interessante Soundvarianten resultieren auch aus allen (parallelen) Phase-Out-Schaltungen, die mit den Strat-PUs zwar noch näselnder aber in den Höhen weniger schrill als die Tele-PUs klingen. Lediglich die Phase-Out bei der Solo-Schaltung von Neck- und Bridge-PU in Reihe (3-Way-Switch auf Vorn) klingt sehr schrill und leer, kann jedoch mit Effektnutzung (z.B. Corvex) auch einen schon wieder schönen außergewöhnlichen sphärischen Klang liefern .

Auf die Tone-Regelung könnte konsequenterweise ganz verzichtet werden, da sie mehr oder minder den typischen Strat-Sound verwässert. Tone auf Position „8“ erscheint noch sinnvoll, denn die Höhen werden nur um eine Tick dezenter. Auf „6“ klingt es zwar wärmer, aber es beginnt leicht zu "schäppern“, was mit Volume auf „9“ unterdrückt werden kann. Tone auf „3“ ist bereits dunkel und auf Min. (= „1“) sehr dunkel. Mit „Treble Booster“ und/ oder „AM-pulse“ lässt sich der Sound aber wieder etwas „aufpeppen“.

Für die Volume-Regelung wurde schon im Beitrag zur Telecaster geschrieben, dass heutzutage die meisten Gitarristen Volume-Einstellungen kaum noch an der Gitarre sondern per Pedal und oder am Amp (Regler bzw. Inputchannel) vornehmen. Ähnlich wie bei der Tele ergeben sich dann auch für die Strat nur zwei prägnante Einstellungen für Volume.

- „Max.“-Position („10“) = voller Gitarrenoutput

- Position „9“ = etwas weniger Gain insbesondere für die simulierten Solo-Humbucker, wobei aber anders als bei der Tele keine Höhenreduzierung erwünscht und somit ein Volumekondensator sinnvoll ist.

Mit den skizzierten Maßnahmen ist die Strat optimal für die „Arbeit“ im VANDAL „präpariert“. Auch hier können alle Pickup-Modi in den Presets „klanglich“ genutzt werden, was eben in Amp-Simulationen keine Selbstverständlichkeit ist. Die schon vielfältigen Möglichkeiten der modifizierten Strat werden durch die schier unendlichen Soundvariationen im VANDAL noch einmal potenziert.

Stratocaster und VANDAL, trotz unbegrenzter Vielfalt noch übersichtlich zu „handeln“. Und zum Schluss noch ein Satz zum „Brummen“, der alten Problematik von Single-Coils. Dank genialem Gate – mit nur einem Regler – im VANDAL kein Thema mehr. Und für Gitarristen, die meinen, ihre Gitarre muss brummen, kein Problem… Gate zurück oder ganz heraus… und es knistert, rauscht und brummt…

Gruß, Peter

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Mit dem "geriffelten" Potiknopf einer Telecaster lässt sich ein Pull-/Push-Poti noch einigermaßen bedienen, dagegen ist es mit einem Potiknopf einer Stratocaster schon deutlich schwieriger, insbesondere ist ein schneller "Pull"-Vorgang LIVE kaum machbar. Nun habe ich aber entdeckt, dass auch Push-/ Push-Potis verfügbar sind. Ich werde demnächst meine Tele damit umrüsten, da zu vermuten ist, dass dann das Umschalten wesentlich komfortabler erfolgen wird.

Derzeit überlege ich, in diesem Thread noch Beiträge zu weiteren E-Gitarren zu posten. Nämlich zur Gibson SG (auch übertragbar auf Les Paul), Epiphone Casino (als Vertreterin von P90-Pickups) sowie zu einer "aufgewerteten" Steinberger-Spirit. Letztere ist die ideale "Reise"-Gitarre. Ich habe deren doch etwas "maue" Pickups (bei dem günstigen Preis allerdings kein Abwertungskriterium) durch zwei Seymour-Duncan P-Rails sowie einen DeMarzio SingleCoil ersetzt.

Im übrigen "verarbeitet" der VANDALe alle diese Gitarren (Tele, Strat, SG, Casino sowie Spirit). Es spielt keine Rolle, ob ein Humbucker, SingleCoil oder P90 am Steg, in der Mitte oder am Hals verwendet wird. Der Sound (natürlich vom Typ bzw. von der Position beeinflusst) bleibt prägnant. Das ist meiner Meinung in anderen Amp-/ Cab-Simulationen nicht immer der Fall, in der Presets auf Pickup-Typ bzw. Position teils angepasst werden müssen.

Gruß, Peter

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Nun habe ich aber entdeckt, dass auch Push-/ Push-Potis verfügbar sind. Ich werde demnächst meine Tele damit umrüsten, da zu vermuten ist, dass dann das Umschalten wesentlich komfortabler erfolgen wird.

Aber leider scheinen diese Potis nicht zuverlässig zu funktionieren. Nachdem ich meine SG mit zwei dieser Potis umgerüstet hatte, war schon nach wenigen Schaltvorgängen eins defekt, d.h., es rastete nicht mehr in der unteren Position ein. Dieser Mangel scheint kein Einzelfall zu sein - siehe entsprechende Rezensionen zu diesen Potis auf der website vom Musikhaus Thomann.

Dagegen funktionieren alle Push-/ Pull-Potis an meinen Gitarren und Bässen absolut zuverlässig.

Gruß, Peter

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